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Wagner : Das Liebesverbot (oder Novize von Palermo)

, Theater Meiningen, 2011 (Audio)

Director: Philippe Bach


Interpretes:
  • Xu Chang (Luzio)
  • Rodrigo Porras Garulo (Claudio)
  • Maximilian Argmann (Antonio)
  • Bettine Kampp (Isabella)
  • Francis Bouyer (Angelo)

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  •   Wagner : Das Liebesverbot (oder Novize von Palermo)-Philippe Bach, 2011
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    Meiningen hat sein schönes Residenztheater generalsaniert und erweitert zurückbekommen: Das 1909 vom Theater-Herzog Georg II. erbaute, mehrmals erweiterte und sanierte Gebäude wurde nun – selten genug in der Theatergeschichte! – um fünf Meter nach hinten verlängert, das Bühnenhaus dadurch nicht nur vergrößert sondern gleichsam mit modernster technischer Ausstattung versehen und dennoch „denkmalgeschützt“ im „Originalzustand“ erhalten: eine großartige Operation und eine große Freude für die südthüringische Theaterstadt, das Haus nun in altem Glanz und neuer Größe erstrahlen zu sehen. Ansgar Haag, der Intendant des Hauses entschied sich für eine interessante Doppel-Premiere zum Beginn: Shakespeare, der einst durch den Meininger Herzog in Europa überhaupt erst wieder ins Gespräch gebracht wurde, war mit „Maß für Maß“ als Eröffnungswerk vertreten, Richard Wagner, der gleich dem Meininger Herzog ein großer Shakespeare-Verehrer war, kam mit seiner zweiten vollendeten Oper, „Das Liebesverbot“, die auf eben diesem Shakespeare-Lustspiel basiert, zu Eröffnungs-Fest-Ehren.

    Allein diese Auswahl und die Gegenüberstellung beider Werke ist schon eine dramaturgische Tat, wie denn auch die erneute Begegnung mit der Wagner-Oper deutlich machte, dass alle Vorurteile gegen sie – die letztlich auf Wagner selbst zurückgehen, der von seiner „Jugendsünde“ sprach! – ernstlich nicht der Realität standhalten. Es handelt sich um das Werk eines 22-jährigen, der nicht nur das Opernrepertoire seiner Zeit beherrschte, sondern auch die Techniken der Komponierstile mit jugendlichem Ungestüm und beachtlicher handwerklicher Fertigkeit handhabte. Seine traumatische Erfahrung mit der missglückten Uraufführung 1836 in Magdeburg ist für ihn ein offensichtlich lebenslang anhaltender Schock gewesen, der ihn ungnädig machte für seine jugendliche Genietat. Auch hier ist Haag zu danken, dass er dieses Werk erneut zur Diskussion stellte und die Meininger Wagner-Rezeption, die ja bereits in DDR-Zeiten sprichwörtlich und in jüngster Vergangenheit außerordentlich vielseitig war, um ein weiteres Werk bereicherte.

    Die konzeptionelle Absicht, beide Werke im gleichen Bühnenbild zu spielen bot sich bei diesem Doppel zwar an, war aber eben auch der Tatsache geschuldet, dass die neuen technischen Möglichkeiten optimal angewandt wurden. Bühnenbildner Helge Ullmann gesteht denn auch: „Neben allen inhaltlichen Erwägungen stellte sich schnell heraus, dass wir eine szenische Lösung unter starker Einbeziehung der neuen Technik riskieren wollten. Ins Zentrum unserer Überlegungen allerdings rückte schnell die neue zweigeteilte Drehbühne.“ Es ist durchaus legitim, bei diesem Anlass mit dem neuen „Spielzeug“ auch optimal zu spielen, unabhängig von der Frage, ob man damit die höchste Wirkung erzielt. Das Wichtigste am Theater ist der spielende oder singende Mensch – keiner wusste das besser, als der Meininger Herzog. Es bleibt zu hoffen, dass darstellerische Differenziertheit und Vielfalt der technischen Opulenz bald wieder ebenbürtig wird.

    Aktivposten der Meininger Aufführung sind die Meininger Hofkapelle und der Chor des Meininger Theaters, zwei tüchtige, nicht nur verlässliche, sondern eben auch engagiert musizierende Klangkörper, die den Abend unter der engagierten Führung des GMD Philippe Bach ein solides Fundament geben. Die dem – ursprünglich als Schauspielhaus gebauten – Haus eigene, „trockene“ Akustik wurde wohl verbessert, allerdings schien mir der Orchesterklang sich nicht wesentlich freier zu entfalten als früher, was nichts mit dem ausgezeichneten Spiel der Musiker zu tun hatte. Der Chor und der Extrachor des Theaters waren von Sierd Quarré bestens vorbereitet worden.

    Sängerisch hat Meiningen Gutes bis Hervorragendes zu bieten: Dae-Hee Shin war ein großartiger Statthalter Friedrich, stimmlich in bester Verfassung und als Persönlichkeit impo-nierend in seiner Zwiespältigkeit. Nächst ihm die schönste Stimme hatte ganz zweifellos Camila Ribero-Souza als Mariana, wenn auch die Partie nicht all zu viel an szenischer Präsenz zu bieten hat. Mit ausgeglichener Tongebung und großem komödiantischem Einsatz der Brighella von Roland Hartmann, überraschend die beiden gefürchteten Tenorpartien mit Xu Chang als höhensicherem Luzio und Rodrigo Porras Garulo als Claudio. Problematisch die Besetzung der Isabella mit Bettine Kampp, die in der Höhe zu deutlich an Grenzen stieß; möglicherweise ist die Besetzung dieser Partie mit einem „Wagner“-Sopran ohnehin falsch, es handelt sich hier ja um keine Elsa oder Isolde, sondern um eine italienisch-französische Belcanto-Sängerin mit Durchschlagskraft. Die kleineren Partien waren mit Sonja Freitag (Dorella), Stan Meus (Pontio Pilato), Ernst Garstenauer (Danieli) sowie Francis Bouyer (Angelo) und Maximilian Argmann (Antonio) zuverlässig und ihre Rollen sicher erfassend besetzt.

    Intendant Ansgar Haag inszenierte das Stück in klaren, verständlichen Arrangements und machte die nicht sonderlich komplizierte, streckenweise aber nicht immer auf den ersten Blick zu überschauende Handlung verständlich (wozu im Übrigen auch die eingeblendeten Übertitel beitrugen, da die Textverständlichkeit der Sänger durchaus verbesserungsbedürftig wäre!) Schade, dass der Anfang dem Tempo und Drive der Inszenierung nicht standhalten konnte und der Schluss der Aufführung das Werk m. E. überfrachtete: Wenn man schon die Ouvertüre „vertanzt“, dann möchte die Ausgelassenheit des Tanzes doch wenigstens der erotischen Verve der Musik in etwa entsprechen; was der Chor hier tänzerisch vollführte, hätte kein Statthalter aus Gründen der „ausschweifenden Sitten“ verbieten müssen! Man sehnte sich nach den Zeiten zurück, in denen solche „Einlagen“ von einem gestandenen Choreographen und mit einer versierten Ballett-Kompanie zu brillantem Eröffnungsfeuerwerk gerieten. (Übrigens wird Claudio dafür bestraft, dass Julia, die er heiraten will, bereits schwanger ist, man müsste den Beischlaf also nicht unbedingt zeigen, abgesehen davon, dass der szenische Rahmen dafür denkbar ungeeignet war!) – und der Schluss? So sehr man Haag beipflichten möchte, dass die Demokratie als Staatsform zu erhalten und zu schützen sei, so sehr uns die gegenwärtige Diskussion um rechtsradikale Umtriebe beschäftigt: hätte die Militärkapelle (in Braunhemden und mit schwarzen Wimpel-Halstuch) nicht gereicht um mögliche Assoziationen herzustellen? Weshalb musste der überwiegende Teil des darstellerischen Personals auch noch rittlings abgeknallt werden? Damit wurde nicht nur der Charakter einer Spieloper überfrachtet, sondern das Finale überflüssig demoliert.



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